Aus dem Gemeindeleben


Predigtgedanken 

zum 17. Sonntag im Jahreskreis

 

 

Fernsehsendungen wie "Kunst und Krempel" oder "Bares für Rares" haben mittlerweile viele Liebhaber gefunden. In vielen Haushalten finden sich mehr oder weniger alte schöne Gegenstände, von denen man wenigstens wissen will, aus welcher Zeit und Werkstatt sie stammen und wieviel sie wert sind. So manche Kostbarkeiten sind auf diese Weise schon entdeckt worden und haben bei Kennern und Liebhabern ein neues Zuhause gefunden. Auch in der Literatur und im Film begegnet uns häufig das Thema der Schatzsuche. Menschen suchen nach einem verlorenen Schatz, von dem sie gehört haben, und sind bereit, dafür einiges einzusetzen. Viele suchen aber auch ohne zu finden…

 

Und dann ist da die Suche nach dem Sinn des Lebens, die Suche nach Antworten auf die großen Fragen, die das Leben stellt, die Suche nach der eigenen Bestimmung, nach dem Weg, den ich gehen soll… oder die Suche nach Sicherheit, Verlässlichkeit, Vertrauen und Liebe.

 

Das Thema „auf der Suche sein“ ist ein sehr existentielles Thema, und fast jede/r war oder ist nach irgendwas auf der Suche. Das geht weit über materielle Dinge hinaus – immer wieder ist da auch die Suche nach Gott…

Jesus sagt: Mit dem Himmelreich ist es so – und dann erzählt er die kleinen Geschichten vom Schatz im Acker und von der Perle. Himmelreich ist ein großes Wort. Es wird auch mit „Reich Gottes“ übersetzt. Für viele Menschen ist dieses Reich furchtbar weit weg und damit auch kein erstrebenswertes Ziel um das zu erreichen man sich bemühen könnte oder sollte. Doch das Himmelreich ist nicht weit weg! Sind wir nicht jeden Tag vom Himmell umgeben? Das Himmelreich steht für ein Glück, das sich nicht kaufen lässt – und für eine Liebe, die der Erde das Schwere nimmt.

Wenn es keine Alternativen gibt, zu allem, was uns berechnend und berechenbar macht, was uns als Sachzwang verkauft und als einzige vernünftige Möglichkeit präsentiert wird, so dass dann alles beim Alten bleibt – dann gibt es kein Himmelreich, keine Barmherzigkeit und keine Liebe.

 

Jesus vergleicht das Eintauchen in die Geheimnisse des Reiches Gottes mit dem Finden eines kostbaren Schatzes und dem Entdecken einer wertvollen Perle. Die glücklichen Finder setzen in seinen Gleichnissen alles daran, in den Besitz dieser Kostbarkeiten zu kommen.

 

Das Himmelreich, so wie es von Jesus verkündet wird, ist ein Ort oder ein Zustand der Freude und der Erfüllung. Gerade in der Zeit, in der wir heute leben, ist es wichtig, sich an diesen zentralen Inhalt unseres Glaubens zu erinnern. Die Person und die Botschaft Jesu als Quelle der Freude zu erfahren, in ihm das Ziel unseres Suchens zu finden – darum geht es bei der Verkündigung des Evangeliums. Als Glaubende sind wir eingeladen, das Gute und das Glück des Glaubens mit anderen zu teilen. Das verweist uns auf etwas, das uns übersteigt. Wir dürfen einer Liebe trauen, die über das Menschliche hinausgeht und alles in allem trägt. Wir erfahren sie dann, „wenn wir mehr als nur menschlich sind, wenn wir Gott erlauben, uns über uns selbst hinauszuführen, damit wir zu unserem eigentlichen Sein gelangen“ schreibt Papst Franziskus in „Evangelii Gaudium“ (EG 8).

„Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war.“ (Mt 13,44).  Das Himmelreich ist ein Schatz, der entdeckt werden will. Er ist in einem Acker vergraben. Man muss bereit sein, sich diese Suche etwas kosten zu lassen. Man kann Glaubenseinsichten nicht kaufen, aber man muss neugierig daran interessiert bleiben und Energie dafür aufwenden. Der Acker will bearbeitet werden. Diese Schatzsuche braucht Bereitschaft zur Mitarbeit. Es soll eine Arbeit sein, die von Freude gekrönt wird

 

Der Wert des Glaubens wird uns nicht einfach nachgeworfen. Man muss ihn irgendwann in seinem Leben entdecken. Man kann ihn auch niemandem "eintrichtern". Neben den biblischen Grundlagen gibt es noch reichhaltige andere Quellen, um dem Geheimnis des Reiches Gottes auf die Spur zu kommen: Gebet, gottesdienstliches Feiern, wertvolle Literatur u.a.m.

 

Das Wichtigste aber sind die Menschen. Ich bin all jenen dankbar, die in meinem Leben zum Entdecken des Glaubensschatzes beigetragen haben: in meiner Kindheit war das meine Oma, später viele Menschen, die in der Kirche beheimatet waren, die mir zu Vorbildern geworden sind und gläubige Mitsucher, mit denen ich gemeinsam unterwegs war und bin, und mit denen ich mich austauschen konnte auf meinem Lebens- uns Glaubensweg. Gerade wenn es um Nachfolge Jesu, um Jünger-Sein heute geht, spielt die eigene Motivation eine wesentliche Rolle. Was bewegt mich? Was suche ich? Was habe ich bereits gefunden? Was gebe ich von all dem auch an andere weiter?

Ich wünsche uns, dass wir durch liebende Menschen Gott immer wieder neu entdecken, dass wir unsere Begabungen zur Freude für uns selbst und für andere nie verlieren und immer gut nützen können. Dann haben wir schon jetzt ein kleines Stück Himmelreich hier auf Erden gefunden. Wir brauchen nur den Acker unseres Lebens bearbeiten, vielleicht da und dort ein wenig auflockern, damit er für Liebe und Freude durchlässig bleibt.